Sternschanze und das „Kacktor des Monats“
SC Persia – SC Sternschanze II 3:1 (0:1)
Eine im Ergebnis schöne Sache waren die Spiele von Sternis Zweiter gegen den SC Persia in der letzten Saison. Gleich zweimal war es dem damaligen Underdog gelungen, in doch recht umkämpften Partien den bis dahin auf Sieg abonnierten SCP zu schlagen. Vor diesem Spieltag waren die Karten etwas anders verteilt. Der SCS wollte sich mit einem Punktgewinn im vorderen Tel der Tabelle festsetzen, der SC Persia musste gegen die speziellen Freunde siegen, um überhaupt dorthin zu gelangen. So nahm eine mehr von harten Zweikämpfen als spielerischer Leichtigkeit geprägte Partie ihren Lauf, die durch einen bemerkenswerten Aufreger dann noch etwas „aufgehübscht“ wurde – wie die Anführungsstriche andeuten nicht zur Freude aller Beteiligter.
Beide Mannschaften taten sich auf dem hoch gewachsenen Rasen im Stadion Alsterdorf zunächst schwer, eine sinnvolle spielerische Linie zu finden. Gestocher und Scharmützel im Mittelfeld wurden als Massenware angeboten, schöne Spielzüge über mehrere Stationen gab es hingegen auf beiden Seiten nur wohldosiert zu sehen. Erwähnenswert scheint in Bezug auf die erste halbe Stunde einzig, dass die jeweiligen Abwehrverbünde aufgrund ihres unkonzentrierten Agierens den jeweiligen Angreifern Gelegenheit boten, Halb- und Fastchancen zu kreieren, die allerdings keinen Torwart erschrecken konnten. Etwas mehr Rhythmus fand die bis dahin doch sehr zerfahrene Partie nach einer knappen halben Stunde. Vor allem die Gäste kamen nun besser ins Spiel und zeigten sich von ihrer mutigen Seite. Am erwähnten Aufreger in der 35. Minute waren sie allerdings nur mittelbar beteiligt. Jolle Skarka hatte einen Einwurf auf Höhe des 16ers weit in den Strafraum hinein befördert, Jens Rebke verpasste den Ball mit seinem Kopf nur knapp, nicht aber Persias Torhüter Pascal Dehus, der ihn mit den Fingerspitzen leicht, aber sichtbar berührte, bevor er ihn aus dem Tor holen konnte. Schöne Grüße von Jean-Marie Pfaff, wird sich auch Schiedsrichter Marco Weber gedacht haben, während er das Tor gab. Sein Assistent muss ihm aber gewichtige Zweifel mitgeteilt haben, also wurde Dehus in die Beratungen einbezogen. Erwähnenswert erscheint hier weniger dessen erwartbare Einlassung (Tenor: Hände? Was für Hände?) als Webers erstaunliche Konsequenz: Eckball für Sternschanze! Gerade auch mit Blick auf das Regelwerk muss man sagen: eine mutige Entscheidung.
Während sich an den Rändern in der Folge Unruhe ausbreitete, setzte Sternschanze auf dem Feld seine wohl stärkste Phase fort, ohne allerdings zwingende Chancen erarbeiten zu können. Zur zweiten guten Gelegenheit kam es so erst kurz vor dem Halbzeitpfiff. Pascal Dehus legte im 1 zu 1 einen Angreifer der gegnerischen Mannschaft und Schiri Weber entschied auf Strafstoß; sicherlich ein Elfmeter, den nicht jeder Schiri in jeder Situation gegeben hätte, sicherlich aber auch keine Konzessionsentscheidung, wie es auf Seiten persiafreundlicher Zuschauer schnell hieß. Wie dem auch sei: Jens Rebke erledigte die Sache (45.), holte sich wegen anschließender unsportlicher Geste eine gelbe Karte ab und entschwand sodann mit den anderen Akteuren durch einen Nebel an Aufgeregtheiten in die Pause.
Genau dort müssen die Gäste Siegeswillen, Trotz und Umsicht liegengelassen haben. Die Hausherren hatten nun jedenfalls über weite Strecken mehr vom Spiel, während sich die Gäste doch allzu fahrig zeigten. Der Lohn: die erste wirklich gut herausgespielte Chance des SC Persia brachte den Ausgleich. Mehdi Karimi setzte sich gegen mehrere Verteidiger sehenswert durch, steckte flach durch auf Andres Felipe Arteaga und der ließ mit seinem Flachschuss Herbert Schmidt im Tor des SCS keine Chance (57.).
Im direkten Gegenzug antworteten die Gäste mit einer Chance aus dem Bereich „kann man machen, muss man auch“. Nico Matthies wurde schön bedient, erlief sich den Ball und tauchte alleine vor Dehus auf, sein Versuch, Persias Keeper mitsamt Ball im Tor zu versenken musste allerdings scheitern, denn sein gefährliches Geschoss landete in den Wicken (58.). Was noch folgte, war dann wieder eher unansehnlich. Der SCP besaß wohl die größeren Spielanteile, ohne sich noch größere Gelegenheiten herauszuspielen, Sternschanze agierte eher wie eine Mannschaft, die zwar den Ausgleich erzielen will, aber die dafür notwendigen spielerischen Mittel nicht findet. Auf der Habenseite standen so: unpräzise Pässe, Flanken, Standards ohne Abnehmer, harte Zweikämpfe im Mittelfeld (und leider auch eine schwere Verletzung eines Persia-Akteurs; gute Besserung an dieser Stelle!).
Vielleicht passt es so auch zum Verlauf dieser Partie, dass es eines weiteren Strafstoßes bedurfte, um am angemessenen Zwischenstand etwas zu ändern. Schahab Sarlak konnte, alleine Richtung Tor der Gäste unterwegs, von Nico Gleich nur mit Grätsche vom Ball getrennt werden. Den fälligen Elfmeter verwandelte Carsten Motzkus zum 2:1 (80.). Sternschanze musste nun antworten. Um Sturmlauf genannt zu werden, waren die verbleibenden 16 (!) Minuten dann allerdings doch zu wenig. Sternschanze wirkte konsterniert und agierte ohne zündende Idee, Persia konnte den Vorsprung so über die Zeit bringen – mehr noch: mit der allerletzten Situation des Spiels erhöhte der SCP sogar noch. Die Gäste bekamen den Ball nicht nach vorne, Schahab Sarlak besorgte das ernüchternde 3:1 in einem „Scheiß-Spiel“, das man „aus der Hand gegeben“ (Jolle Skarka) hat (96.). Und daran war – alles in allem und ganz selbstkritisch betrachtet – irgendeine Hand von irgendeinem Torwart nun wirklich nicht beteiligt.
So spielte der SCS: Schmidt – Gleich – Lütje – Menschner – Böhme – Rebke (C, gelb) – Bischoff – Guimaraes Silva (gelb, 80. Kayser) – Kilicarslan – Skarka – Matthies (75. Kyrlidis).
Zuschauer: 30